Gerade komme ich von meiner Käse-Tour wieder… Zum Hintergrund: Käse ist im Ausland (außer Frankreich und Italien) meines Erachtens teuer. Hier, im Land, in dem eh wenig Milchprodukte gegessen werden, sowieso! Ein normaler Camembert kann locker mal 10 Euro kosten. Daher ist es vielleicht verständlich, dass Quellen, bei denen es Käse preiswerter gibt, heiß gehandelt werden. Und so geht die Nachricht um, dass es bei der Käselady guten und preiswerten Gouda gibt. Zwei Mal habe ich davon profitiert. Jemand kauft einen ganzen Laib Gouda – das muss man bei der Käselady – und dann wird er Kiloweise geteilt: 1 Kilogramm für ca. 8,50 Euro, das hört sich gut an, oder?
Nun wollte ich aber nicht davon abhängig sein, dass irgendwann jemand zur Käselady fährt und Gouda kauft. Also bekam ich auf Umwegen die Adresse und machte mich auf den Weg mit dem kleinen Drachen. Das Navi sagte 4 Km – also machbar!
Die schlechte Nachricht des Tages kommt nun: ICH HABE KEINEN KÄSE mit nach Hause gebracht.
Die gute Nachricht: Ich habe ein Abenteuer mehr erlebt!
Wir wohnen etwas außerhalb von Shanghai – ca. 20 km vom Zentrum. Und wenn man mit Shanghainesen redet, dann wohnen wir auf dem Land. 30 Minuten weiter und wir sind in der Natur.
Wenn wir hier eines Tages wegziehen, dann werden wir zu denen gehören, die sagen: als wir vor zwei Jahren hier hinzogen, war das Umfeld noch nicht wirklich erschlossen… und alle werden uns mit großen Augen anschauen.

Egal wohin mal schaut: es wird gebaut – und das in China-Speed! Es ist WAHNSINN! Kaum vorstellbar, wie es sein wird. Es werden tausende Menschen hier wohnen, wo momentan die Straßen noch relativ leer sind!
Ein paar wenige Menschen versuchen dem Bauboom zu trotzen, und so lange wie möglich ihr Refugium zu behalten.

Aber zurück zum Käse: Ich dachte, es sei ein Laden irgendwo in der Nähe. Ist es auch:

Allerdings gegenüber einem Großmarkt mit acht mehrstöckigen Lagerhallen und unendlichen Gängen:


Alle Hallen nach Produkten aufgeteilt: Öle, Getreide, Nudeln und zum Beispiel Gewürze. Jeder, der schon mal auf einem südländischen Markt war, kann sich vorstellen, welches Feuerwerk an Düften in meine Nase stieg:



In einer anderen Halle gab es überwiegend Nüsse und Maronen, in einer weiteren Pilze:


Und das weiter Spannende: In allen Räumen wurde entweder geschlafen (da habe ich mich mal wieder nicht getraut, Fotos zu machen) oder gehandelt und gepackt. In den Gängen muss man aufpassen, dass man nicht von einem (E-)Mofa überfahren wird, denn anscheinend kommen die Leute nicht nur zu den Großhändlern, sondern die Händler verkaufen über TaoBao. Das ist eine Inernetplatform, auf der man alles bekommt. Sie ist nicht nur auf Chinesisch (und seit Samstag habe ich auch ein Konto da), sondern auch recht preiswert. Das Geheimnis dahinter: überwiegend kleine Händler, die sich ggf. auch kein Geschäft in der Stadt leisten können, verkaufen hier ihre Ware – und anscheinend auch die Händler hier aus dem Großmarkt. Die kleinen Päckchen werden dann auf die Mofas geladen und zu den Kunden gebracht. So unter anderem bald auch mein Käse, wenn er wieder lieferbar ist! Denn da ich ein TaoBao-Konto habe (bei dem mir eine Chinesin geholfen hat, dieses zu installieren), kann ich auch in dieser Liga mitspielen – Erfahrungsbericht kommt!


Ob ich nun unbedingt die Gewürze offen dort kaufen würde…. ich weiß nicht:

Fakt ist auf jeden Fall: ich muss jetzt Schluß machen, weil ich auf TaoBao den Gouda bestellen muss!