Weihnachten in Shanghai – stille Zeit

Neues Jahr, neues Abenteuer!


Weihnachten gehört schon wieder der Vergangenheit an… die Weihnachtsbäume werden abgeschmückt, hier in China bereitet man sich auf das „Chinese New Year“ Ende Januar vor. 

Wir haben ein schönes Weihnachtsfest erlebt und haben das neue Jahr in Thailand begrüßt (dazu ein anderer Blog). Aber bei all dem Feiern und Erholen kommt man ja zu nix…. daher nun noch schnell etwas Post-Weihnachtliches. Es wäre zu schade, unser erstes Weihnachten in China nicht mit Euch zu teilen.

Shanghai lohnt sich absolut in der Goldenen Week im Oktober und zu Weihnachten – denn dann ist es leer. Naja, vielleicht ist es etwas übertrieben, bei 27 Millionen Einwohnern von leer zu reden, aber viele Expats, also die in Shanghai lebenden Ausländer, verlassen überwiegend die Stadt und das merkt man bei den Reservierungen in den Restaurants besonders. Da, wo sonst lange Wartelisten sind, bekommt man sogar am gleichen Tag noch einen Tisch.

In unserem Viertel fahren weniger Skooter durch die Gegend, Geschäfte nutzen die Zeit für Renovierungen – irgendwie macht sich eine andere Stimmung breit. 

Festlich ist vielleicht auch übertrieben, denn obwohl sich alle bemühen Weihnachtsbäume aufzustellen, kommt einem die Weihnachtsdeko etwas falsch vor. 

Aber bei uns wird an Traditionen festgehalten: Adventskranz, Adventskalender und Weihnachtsbaum dürfen nicht fehlen.

Und sogar für einen Besuche auf dem Weihnachtsmarkt hat die Zeit diesmal sogar gereicht! Zum Glück waren an diesem Wochenende die Temperaturen eher kühler (also unter 10 Grad), so dass der Glühwein auch sehr gut geschmeckt hat!

Und neue Weihnachtsrituale entstehen. Wie zum Beispiel das Weihnachtssingen bei einer Bekannten aus Kanada!

Kurz vor Weihnachten bin ich – mal wieder wie die Jungfrau zum Kinde – an einen Stollen-Back-Kurs gekommen. Seit August lerne ich in einer einer Art Volkshochschule Chinesisch und habe mich mit der Leiterin der Filiale – die auch die Mutter eines Klassenkameraden von Max ist – angefreundet. Irgendwie kamen wir auf Stollen zu sprechen. Ich habe ihr die Geschichte aus meiner Aupair-Zeit in England erzählt. Die Familie, bei der ich damals gewohnt habe, hatte ein altes Cottage mit einem Aga-Ofen – das ist ein mit Öl betriebener Ofen, der Tag und Nacht  läuft und so auch als Heizung fungiert. Er hat eine heiße und eine warme Platte, ein heißes und ein warmes Loch. Perfekt, um -unter anderem- Stollen zu backen. Das hatte zur Folge, dass ich auf der Poplar Cottage von Dezember bis Ostern mindestes einmal in der Woche Stollen gebacken habe. Und das war wiederum Grund genug für Shanlini, mich als Stollen-Back-Lehrerin zu engagieren. So weit, so gut! Wo aber bitte bekommt man die Zutaten her? Stollen-Gewürze Marzipan, Quark, Zitronat? Die Antwort : im Supermarkt oder auf Taobao.

Nach ein paar Probestollen war ich dann auch soweit, dass ich mich der Gruppe stellen konnte! Es hat super viel Spaß gemacht und der Stollen hat sogar geschmeckt. 

Natürlich habe ich auch in der Vorweihnachtszeit Abenteuer-Ausflüge mit Nicole gemacht- aber die werden in einem gesonderten Blog beschrieben! 

An einem Samstagnachmittag lud der Compound, also unser „Wohnpark“, zum  Kochkurs für weihnachtliche Nachspeisen ein. Irgendwo war ein Übersetzungsfehler… Auf jeden fall war ich bei weitem die älteste Teilnehmerin – allerdings auch die, die am meisten Spaß an der Sache hatte! Und ich finde, mein Knusperhäusschen kann sich sehen lassen!

Irgendwie hatte ich anscheinend auch zu viel gejammert, dass ich keinen schönen echten Weihnachtsbaum fände und mich nun schweren Herzens für einen künstlichen entschieden habe… Die Geschichte kennt ihr ja schon!

Eine chinesische befreundete Bekannte kam eines Tages zu mir und übergab mir feierlich einen kleinen aber feinen Baum (sie hätte ihren bei Taobao gekauft und aus versehen zwei bekommen). Dazu gab es noch eine kleine Kugel, mit der man eigentlich erst Chineses-New-Year im Januar dekoriert. Ihr könnt Euch vorstellen, wie es mir da ging – als Weihnachtstier! Und zum Glück gab es im Supermarkt auch schon weitere Chinesische Dekoartikel.

O.k. – auf die roten Unterhosen habe ich am Baum erst mal verzichtet – sieht auch ohne gut aus!

Heiligabend waren wir nach einem gemütlichen Tag in einem guten Steak-Restaurant und haben uns anschließend vom russischen Ballett den Nussknacker vortanzen lassen. 

Am 25. gab es Bescherung, leuchtende Augen und Königsberger Klopse – ein Familienrezept! Auch hier war es kein Problem, die Zutaten zu bekommen – bis hin zu den Kapern. Lediglich die Buttermilch gab es nicht – dafür aber gute Ideen von lieben Nachbarn: Sour cream mit Milch mischen – und es ist ein genialer Ersatz! 

Ihr vermißt bestimmt gerade die Stelle mit der Beschreibung, wie stressig es ist, das Weihanchts-Essen hier einzulaufen, Schlange zu stehen, zu bestellen und mit gestressten Menschen an der Kasse zu warten?


Gibt es nicht, denn hier wird online beim kleinen Supermarkt an der Ecke bestellt (in einem der nächtens Blogs nehme ich Euch auch mal mit auf die Reise durch die Nachbarschaft), 15 Minuten gewartet und die Ware wird geliefert – nicht nur zur Weihnachtszeit!

Es war ein sehr besinnliches, ruhiges und entspanntes Fest. Leider habe ich zu spät entdeckt, dass es auch einige Kirchen in der Umgebung gibt! Aber da haben wir ja noch Gelegenheit, diese zu erkunden und zu nutzen!

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