Das ist auf jeden Fall die Aussage von Nicole’s Mann.
Und ich habe lange überlegt: in der Tat kenne ich keinen, der sich jemals über Blasen an diesem Körperteil beschwert hat. Lediglich über Schmerzen der Sitzbeinhöcker – so wie ich, denn wir haben uns in den vergangenen Tagen die Profile vom Rad abgefahren.
Metrofahren ist momentan nicht so angesagt aufgrund des Virus. Mal abgesehen davon, dass keiner sich infizieren möchte, muss man sich momentan noch in den U-Bahn-Wagons registrieren. Das geht schnell: QR-Code scannen und Telefonnummer angeben, dann geht es los. Sinn und Zweck der ganzen Sache ist, dass wenn ein Infizierter mit der Bahn faährt, sofort alle Mitfahrenden ausfindig gemacht werden und in Quarantäne gehen können. Denn noch immer schwebt die Angst vor einer zweiten Welle über der Stadt. Also bleiben wir an der frischen Luft, da kommt man sich nicht so nah, es ist sportlich und wir sehen mehr.
So auch diesmal. Nach einer Stärkung und der Besprechung der wichtigsten Dinge, die Freundinnen nach einem Tag „Nicht-Sehens“ zu bereden haben, ging es los. Ziel: das ehemalige jüdische Viertel. 10 km von Nicole entfernt und ein-dreiviertel Stunden Zeit bis zur Führung, an der wir teilnehmen wollten. „Das sollte klappen“, sprach Nicole, schwang auf und trat in die Pedale: hier rechts, dann links, an der Ampel kurzer Stopp.

Wie alle schnell aufs Handy schauen (bei uns, weil wir den Weg nicht kannten – bei den anderen, um schnell den Film zuende zu schauen, die Videounterhaltung fortsetzen oder Wechat checken… ). Bis der E-Motor „aufheult“ wird die typische Handyhaltung eingenommen – die auch beim Fahren gerne weiter beibehalten wird. Das macht allerdings das Fahren etwas gefährlicher, da man oft nicht weiß, ob der Verkehrsteilnehmer abgelenkt ist.
Nach einigen Kilometern und 45 Minuten später musste ich Nicole leider zaghaft drauf hinweisen, dass wir an der gleichen Stelle einige Kilometer und 45 Minuten vorher bereits schon einmal waren – wenn auch von einer anderen Seite kommend… Da waren wir wohl ein wenig im Kreis gefahren. Was aber nicht so schlimm war, denn so habe ich endlich die berühmte Drachen-Säule gesehen.

Beim Bau der mehrstöckigen Stadtautobahn konnten die Bauarbeiter eine Betonsäule nicht im Boden verankern. Was macht man, wenn die moderne Technik versagt? Man befragt einen Mönch. Der bestätigte, was man bereits ahnte: die Säule stand direkt auf dem Auge eines Drachen, der in der Erde geschlafen hatte.
Mit Gebeten und Opfergaben konnte der Mönch den Drachen schließlich besänftigen. Heute steht an dieser Stelle eine – mit goldenen Drachenornamenten geschmückte – stabile Säule!
Nachdem ich sie bewundert und fotografiert hatte, ging es dann im schnelleren Tempo und ohne bewusste Umwege zu unserem Treffpunkt. Ich werde bei den kommenden Touren mal die Kamera auf den Lenker schnallen. Dann bekommt Ihr einen Einblick ins Verkehrsleben Shanghais.
Aber est einmal ins jüdische Viertel:

Während des Zweiten Weltkriegs war Shanghai der rettende Hafen für Zehntausende jüdischer Flüchtlinge, da sie noch lange Zeit ohne Visum oder andere Ausweispapiere mit dem Schiff nach China reisen konnten. In einem der ärmsten Viertel der Stadt fristeten sie ihr Dasein.
Trotz Sprachbarrieren, Armut und Epidemien bauten die Geflüchteten ein eigenes Gemeinwesen auf: Schulen, Zeitungen, Theaterspiele, Kabaretts und Sportwettkämpfe.
Zwar gab es keine Mauern und keinen Stacheldraht, aber es gab Identitätskarten mit gelben Streifen, Kennzeichen und eine spezielle Wache mit ihren Willkürmaßnahmen.
Heute ist es ein „normales“ chinesisches Wohnviertel, in dem traditionell die Wäsche an den öffentlichen Wäscheständern getrocknet wird.
Und ich am liebsten durch die offenen Türen spinze:
Was in Deutschland ein bisschen ulkig wirkt, ist in China alltäglich. Die Leute gehen häufig in weiten Morgenmänteln oder Schlafanzügen auf die Straße, machen Besorgungen oder spazieren einfach herum. Der Pyjama ist mit der Jogginghose zu vergleichen, die auch die Gemüter spaltet.

Gegenüber dem jüdischen Viertel steht das Gefängnis Shanghais (oder eins davon):

Und direkt daneben: Das Café „Weißes Rössel“. Vor dem Holocaust flüchtete Familie Mosberg aus Wien – ihr Café wurde schnell zu einem der Treffpunkte. Seit 2015 gibt es hier in der originalen Atmosphäre wieder Kaffee und Kuchen.











