Chinesen und Italiener sind gleich

Ich weiß nicht, wie ich mir Shanghai vorgestellt habe, bevor ich hier hin gekommen bin. Auf jeden Fall nicht so, wie es ist.

Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass die Leute auf der Strasse stehen und einen Nachbarschafts-Plausch halten.

Dass sie Hand in Hand durch die Straßen schlendern.

Dass sie Scherze machen, den Schalk im Nacken haben und laut sind. Ein Telefon ist meist ein Mikrofon. Die direkte Umgebung kann mithören.

Seit ein paar Wochen gehe ich zu einem Kunstkurs. Meine Lehrerin ist eine Sizilianerin. Über Paris, London und Peking ist sie vor sieben Jahren nach Shanghai gekommen. Sie brachte es heute auf den Punkt:

„Die Chinesen“ sind wie „die Italiener“: sie lieben das Essen, leben mit mehreren Generationen unter einem Dach, sind laut und haben Spaß am Leben.

Ich habe nicht den Eindruck, in einer 27-Millionenstadt zu sein. Und immer wieder frage ich mich: wo sind die ganzen Menschen?

Klar, gibt es Stellen, da sieht man sie: am People Square, zu Stoßzeiten in der U-Bahn, im Stau auf der Strasse… Aber verglichen mit Paris, New York und London ist Shanghai ruhig und besinnlich. Auf jeden Fall in den Gegenden, die ich bisher kenne.

Ein Amerikaner, der seit 25 Jahren in Shanghai lebt, sagte mir, er liebe Shanghai unter anderem, weil es so fußläufig sei. Und es stimmt! Man kann einfach von A nach B laufen oder mit dem Rad fahren und vieles erreichen. Klar, reden wir hier über mehrere Kilometer, aber es ist machbar, angenehm und spannend.

Und überall gibt es neue Cafés – weit aus mehr, als Tee-Häuser.

Immer wieder sprießen Röstereien aus dem Boden – das wird bald von Nicole und mir genau unter die Lupe genommen und berichtet.

Vor einigen Tagen bin ich mit ein paar Ladies durch eine Wohngegend von einer der Damen geschlendert: durch die Yuyan Lu, eine traditionelle Straße, mit einem modernen Gesicht.

Hier haben früher Prominente wie Eileen Chang (1920-1995 – eine der einflußreichsten chinesischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts) , Fu Lei (1909-1966 – Chinas angesehenster Übersetzer französischer Literatur) oder Gu Shengying (eine begnadete Pianistin, die die Kulturrevolution nicht überlebte. Sie spielte unter anderem verbotener Weise Chopin, wurde deshalb öffentlich geschlagen und gepeinigt und so in den Selbstmord getrieben).

Diese historischen Gebäude beherbergen heute teilweise moderne Boutiquen und Restaurants,

kulturelle Einrichtungen sorgen für eine literarische und künstlerische Atmosphäre.

Das ganze soll so natürlich wie möglich geschehen und ist auf Dauer geplant. Und das bedeutet, dass auch die Wohnviertel weiter gefördert, renoviert und erhalten bleiben.

Und es gibt „ganz normale“ Geschäfte, Werkstätten

oder auch Barbiere:

Was eher wie eine Badewanne aussieht, ist ein Stuhl, auf dem der Kopf gewaschen wird. In der Regel erhält man hier liegend die Kopfmassage.

Auch in China ist heute „Tag der Arbeit“. Man könnte denken, dass der erste Mai mit rotem Kringel im Kalender markiert ist. Aber er hat weder seine Wurzeln im Reich der Mitte oder im kommunistischen Block. Es ist einfach ein freier Tag, gefolgt von den Maiferien (Montag und Dienstag). Im chinesischen Kalender ist meist am 1. Mai: Lixia „Beginn des Sommers“.

  1. Das ist ja mal ein Vergleich. Da kommt man aus der Ferne nicht drauf. Diese „Behältnisse“ in der Kaffeerösterei…passen die noch in meinen Container?

    Like

Hinterlasse einen Kommentar