Es gibt so viel zu erzählen… wo fange ich am besten an?

Ja, ich war etwas schreib-faul aber unterwegs und das ist das Problem. Ich habe so schöne Dinge gesehen, dass ich gar nicht weiß, wo ich am besten anfange. Heute beim Spaziergang mit dem Hund kam mir die Erleuchtung! Ich fange mal hinten an. Ich genieße den Sommer!

32 Grad und Grillen zirpen, das ist is mein Wetter! (ok, die Mücken stören ein bisschen, aber… )

Morgens einfach ein Kleid oder T-Shirt überwerfen und nicht mehr drüber nachdenken, wie das Wetter wird. Vielleicht noch einen Schirm in der Nähe haben, denn die Regengüsse haben es manchmal ganz schön in sich hier. Aber es ist warm und nicht schlimm, wenn man etwas nass wird.

Kein Wunder, dass es so laut ist, die Tierchen sind ganz schön groß ( etwa wie mein Zeigefinger)

Es sei denn, es ist ein Taifun wie „Feuerwerk“ – der sechste Taifun in diesem Jahr, der auf China trifft. Die vorhergehenden sind für uns in Shanghai folgenlos gewesen (wenn auch andere Landstriche es hart getroffen hat). „Feuerwerk“ hat dann zum Glück nicht so gewütet, wie befürchtet – aber es war etwas gruselig (die beiden Filmchen sind nicht von mir – die Urheber sind mir unbekannt, ich habe sie von der Plattform WeChat gemopst). Zum Glück wurde bei diesem Taifun niemand ernsthaft verletzt.

Ansonsten mache ich meine Streifzüge durch Shanghai – mit den unterschiedlichsten Leuten. Letztens war ich mal wieder im alten Schlachthaus 1933. Man kommt sich dort wie in einem Escher-Bild vor ( niederländischer Künstler und Grafiker, der vor allem durch seine Darstellung unmöglicher Figurenbekannt wurde – z.B. Treppen, die ins Nichts führen oder Etagen, die nicht eindeutig erkennbar sind)

In seiner Hoch-Zeit wurden hier mehr als 1.200 Rinder, Schafe und Schweine pro Tag verarbeitet, mehr als 130 Tonnen Fleisch. Damit dies funktioniert, musste jedes Detail des Gebäudes nützlich sein. Die 50 cm dicken Wände zum Beispiel sind hohl, sodass der Innenraum eine relativ konstante Temperatur behält. Die Fenster sind nach Westen ausgerichtet, der allgemeinen Windrichtung von Shanghai, und ermöglichen eine maximale Luftzirkulation. Außerdem sind sie nach Westen ausgerichtet, um die Reinkarnation des Tieres zu unterstützen, da dies die Richtung des buddhistischen heiligen Landes ist. Heute sind hier Restaurants, Tanzschulen und Blumenläden.

Und dann ist die Frage: was hat das große Holztor mit Tim und Struppi zu tun?

Größere Bekanntheit in Europa erlangte die Ausbildungsinstitution T’ou-sè-wè im zwanzigsten Jahrhundert durch ihre Mitarbeit am chinesischen Pavillon in Laeken, Brüssel, im Auftrag des belgischen Königs Leopold II. (1903). Insgesamt 300 Waisenkinder und Handwerker schnitzten verschiedene Bauteile, darunter auch kunstvolle Säulen für das heute als Museum genutzte Bauwerk in Brüssel. Die Einnahmen dienten zum Unterhalt der Jesuitenstation.

Zhang Chongren war ein Junge, der 1907 in einem damaligen Vorort von Shanghai geboren wurde und seine Eltern im Alter von sieben Jahren verlor. Er wuchs im französischen Jesuitenwaisenhaus Tou-Se-we auf. Es gilt als die Geburtsstätte, an der westliche und chinesische Kultur vereint wurde. Jesuiten nahmen Waisenkinder auf und lehrten sie in Kunst und Kultur. So lernte auch Zhang Chongren Französisch und ging an die Kunstschule des Waisenhauses. 1931 verließ er China und studierte an der Académie royale des Beaux-Arts de Bruxelles in Brüssel. Hier lernte er den Comiczeichner Hergé („Vater“ von „Tin Tin“) kennen.

Zhang half Hergé die chinesische Geschichte, Kultur und Zeichentechnik besser zu verstehen. Als Dank für diese Hilfe erschuf Hergé den Charakter Tschang Tschong-jen, der in Tim in Tibet seinen Auftritt hat.

Aber auch sonst war das Waisenhaus eine Geburtsstätte der Kreativen. Schon in der Qing- Dynastie waren die Jesuiten einflussreich und schieben mit Geschichte. So wurde Xu Guangqi in einem durch japanische Piraten geschädigtes Elternhaus geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, erhielt jedoch seit seinem 6. Lebensjahr eine solide schulische Erziehung und legte Schritt um Schritt staatliche Beamtenprüfungen ab, die ihm eine Karriere in den höchsten Positionen des Reiches bis hin zum Minister ermöglichten.

Als solcher setzte er viele seiner Ideen in die Praxis um. Xu fand durch den in China wirkenden italienischen Jesuitenpater Ricci zum katholischen Glauben und wurde 1603 auf den Namen Paul getauft. Gemeinsam mit Ricci übersetzte er mehrere westliche Texte ins Chinesische und konfuzianische Texte ins Lateinische. Sein Grab steht heute im Guangqi Park, ganz in der Nähe des Waisenhauses und steht auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China.

Wo wir schon mal beim Christentum sind: am vergangenen Wochenende war ich das erste Mal in China in der Kirche (lange waren die Messen aufgrund von Corona ausgesetzt, dann in verschiedenen Orten abgehalten… irgendwie hatte es zeitlich nicht gepasst bist jetzt).

Die katholische Messe war auf Deutsch und hat mich etwas in die Heimat versetzt – mitten in Shanghai – war etwas surreal. Ein Trommler, ein Bläser und ein Gitarrist haben für die Musik gesorgt – unter anderem mit „Kleines Senfkorn Hoffnung“ …

Spannend war, dass am Ende des Gottesdienstes die chinesische „Kollegin“ (ein engagiertes Kirchenmitglied) schon mit den Hufen scharrte – und die Gläubigen für die chinesische Folgemesse anstanden. Gottesdienst am Fließband.

Shanghai – immer wieder für Überraschungen gut.

  1. So viele fremde und spannende Eindrücke in kurzer Zeit. Beeindruckend. Und mein Wunsch, auch einmal nach China zu reisen, verstärkt sich.
    Das hat mir sehr gefallen, Eindrücke etwas abseits des Mainstreams.

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  2. Das war mal wieder sehr interessant mit dir auf Streifzug zugehen..
    In dieser Stadt wird man sicherlich nie fertig mit „entdecken.“

    Ich freu mich schon auf den nächsten Ausflug !!

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