Ein Biss, erste Hilfe und ein Kondomautomat

Ein Schnüffeln und ein Biss – was erst aussah wie eine Schramme endete mit einer OP und einer gebrochenen Nasenhöhle. Zum Glück weder bei mir noch bei andern Menschen, aber bei Quin. Auf dem Spaziergang im Compound begegnete die Fellnase einem freilaufenden größeren Hund (Aquita-Weibchen). Kurzes Schnüffeln und die Dame biss zu. Erst sah es wie eine Schramme aus, dann wurde es größer und hörte nicht auf zu bluten. Am nächsten Morgen war es echt fies …

Und das Ganze an einem Tag, an dem ich voll verbucht war. Ich hatte mich nämlich endlich bei einem Erste-Hilfe-Kurs angemeldet! Seit Jahren wollte ich das für den Führerschein Gelernte endlich mal auffrischen. Nun war es soweit! Also um 9 Uhr auf den kleinen Drachen geschwungen und zum Aktivitätszentrum des nahegelegenen chinesischen Viertels gefahren. Hinter dem Gebäude hatten sich die etwas Älteren versammelt, um ihren Morgentanz zu absolvieren. 

Aber ich war ja nicht zum Vergnügen hier. Ich wollte etwas Lebenswichtiges lernen! Und es war ein Erfolg – wenn auch auf eine etwas chinesische Art und Weise. Gemeinsam mit weiteren 13 englischsprachigen Lernwilligen bekamen wir eine perfekte Einführung in die Erste-Hilfe, Wiederbelebung, die Nutzung eines Defillibrators und andere Notsituationen. Etwas gewöhnungsbedürftig war, dass wir erst einen Film vorgespielt bekamen, dann alles sehr genau erklärt wurde und wir anschließend parallel zu einem weiteren Teil des Films die Übungen machten – alles unter der strengen Aufsicht der vielen netten Helferlein:

In der Mittagspause stand bei mir nicht der Rettungsplan von Menschen auf dem Programm, sondern der des Hundes. Schnell nach Hause geeilt und zum Tierarzt gefahren. Hier geht es mit der Terminierung etwas schneller als in Deutschland – für Mensch und Tier (auch beim Friseur, der Massage und anderen Dingen – bis jetzt). Der Tierarzt war über die Tiefe des Bisses erschrocken und teilte mir dann während der OP auch mit, dass die Nasenhöhle gebrochen sei und es eine sehr tiefe Wunde sehr nah am Auge sei. Die Fotos, die ich bekommen habe, erspare ich Euch. 

Während der Vierbeiner im Aufwachraum lag, lernte ich weiter Neues und Altes über Verbände, Notversorung und Erstickungsgefahren. Gekürt wurde all das mit einem Test und nun bin ich stolze Besitzerin eines Erste -Hile -Ausweises der für die kommenden zwei Jahre gültig ist. Solltet Ihr – wie ich – vor längerer Zeit einen solchen Kurs gemacht haben – ich kann Euch nur raten, es zu wiederholen! Es fühlt sich so gut an!

Bei Verlassen des Raumes gab es noch einen Schmunzler. Zur Erinnerung: es ist ein Gemeindezentrum, in dem überwiegend ältere Menschen zusammen kommen, um zu tanzen, zu essen, Brettspiele zu spielen und in dem Schulungen aller Art absolviert werden. Hier stellt sich dann die Frage: was noch?

Auf dem Nachhauseweg machte ich noch einen kleinen Schlenker über die Tierklinik, um Quin wieder in Empfang zu nehmen. Etwas benommen von der OP freute er sich aber sehr, mich wieder zu sehen. Nun standen eine Woche Trichter um den Kopf, damit er die Naht nicht aufkratzt, Antibiotikum, Augentropfen und Salbe an. Zum Glück hat sich der Besitzer auch bereit erklärt, für die Kosten aufzukommen und ihm eine große Tüte Knabberzeug mitgebracht. 

Hoffen wir mal, dass es sich nicht entzündet.

Auf den Strassen und in Geschäften rüstet man sich für den 1. Oktober – da wird 70 Jahre Volksrepublik China gefeiert – mit einer riesigen Parade in Peking. In Shanghai sind es eher nur die Flaggen, die an den besonderen Tag erinnern.

Vielen Chinesen geht es aber momentan weniger um den Jahrestag- Es ist eine der wenigen Gelegenheiten, an denen die meisten Chinesen eine ganze Woche frei haben und damit werden – laut Medien – rund 800 Millionen sich in Bewegung setzten und verreisen. Die Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 

Foto: Time out Shanghai

Wir bleiben daheim und genießen das leere Shanghai! JA, richtig gelesen: LEER! Denn auch, wenn es den ein oder anderen in die Stadt treibt, scheinen die meisten der 800 Millionen zu ihren Familien oder in andere Länder zu fahren. Uns zog es wieder an den Bund. Eigentlich wollten wir Max die Stadt bei Nacht zeigen. Doch das erste Restaurant in der French Concession war leider wegen Dreharbeiten geschlossen und in die anderen Rooftop-Bars darf man nach Anbruch der Dunkelheit erst ab 18 Jahre besuchen. Auf diese durften wir mit ihm einmal ganz kurz die Aussicht geniessen – mit Begleitung des Oberaufsehers des Restaurants. Auch, wenn es nur kurze Aufenthalte waren – es war beeindruckend!

Und wir haben unseren Grill angeschmissen – das gibt irgendwie auch ein kleines Stück Heimatgefühl. Auch, wenn es hier meistens nicht mehr so heiss ist, bringt es das Thermometer dennoch an manchen Tagen bis auf 30 Grad. Da sind die Abende mit 26 angenehm kühl – manchmal sogar etwas frisch.

Anschließend war ich noch einkaufen. Das alleine wäre einen Blog wert… kommt bestimmt noch! Heute aber nur das, was mich am meisten beeindruckt hat: eine Säule, die autark durch den Supermarkt fährt und neue Produkte anbietet.

Und dann gibt es einige Gemeinsamkeiten – denn auch hier wird es langsam Herbst und heisse Maronen sowie gebackenen Süßkartoffeln sind der Renner:


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