
Es ist Donnerstag und damit Abenteuertag mit Nicole! Heute auf dem Programm: Nanxiang Old Street 南翔老街. Ein Teil des alten Shanghais, das spannender Weise nur selten von Touristen eingenommen wird – auf jeden Fall nicht von Langnasen. Das hat zur Folge, dass wir auffielen und auch wieder begehrtes Motiv für Fotos waren – heimlich oder offensiv. Chinesen fotografieren mehr als wir und haben auch nicht die riesige Problematik mit dem Recht am eigenen Bild. Natürlich achten auch sie darauf, keine beleidigenden oder bloßstellenden Bilder zu machen. Aber Selfies, Gruppenbilder, Bilder vom Essen oder Langnasen sind an der Tagesordnung. In Revanche mache ich Fotos von ihnen. Und so haben beide etwas davon!

Doch eins nach dem andern. Mit der Metro ging es in den Norden der Stadt und mit dem BUS (ja, wir sind Bus gefahren und sind am Ziel angekommen – war gar nicht so schwer) zur kleinen Wasserstadt.

Und da kamen wir aus dem Essen und Staunen nicht mehr raus! Wir haben gesehen, wie Mooncakes gemacht werden:

Haben kleine Backäpfel, die mit Mango, Nüssen und anderen Leckereien gefüllt und anschließend mit Karamell überzogen werden, genossen:

Seltsame Hotdogs angebissen (aber nicht beendet, da das Innenleben eher wie ungebackener Teig mit Käse schmeckte und alles sehr fett war):

Und NATÜRLICH Dumplings genascht.

Denn die Xiaolongbao gehören zu der Familie der Dumplings und sind gefüllte Dumplings, die ursprünglich aus dem Städtchen Nanxiang kommen. Ihr Erfinder verkaufte sie vor über 100 Jahren ursprünglich in seinem Geschäft in dieser Vorstadt Shanghais- von hier haben sie sich in das Stadtzentrum Shanghais und in andere Gebiete verbreitet. Die nette Kellnerin stellte den Garkorb mit den Köstlichkeiten auf den Tisch, Stäbchen standen bereit und nach den ersten Bissen in die, mit Fleisch gefüllten, Teigtaschen eilte sie mit Löffeln herbei. Wir bedankten uns artig, wollten aber doch so essen, wie die Chinesen und mißachteten die Löffel. Bei meiner Recherche hinterher stellte sich heraus: ein Fehler! Bei Wikipedia wurde es mir klar:

Nanxiang ist ein Ort, an den ich auf jeden Fall zurückkome! Denn es gibt noch sooooooo viele Geschäfte und Restaurants aus denen es duftet und die Waren schmackhaft aussahen. An den skurrilen Dingen kann man dann getrost vorbei gehen. Aber Esel-Wurst gibt es ja auch auf Sizilien…



Für mich waren dann die süßen Sachen doch etwas besser. Sehr lecker das Sesamkaramell, das durch ständiges Schlagen der Samen entsteht. Wie es dann allerdings so knackig wird, habe ich noch nicht rausgefunden – bin aber ja noch ein paar Tage hier!


Auf jeden Fall war es kulinarisch und visuell ein Genuss! Man kann sich richtig gut vorstellen, wie das Leben vor früher hier war – die Stadt selber wurde vor rund 1500 Jahren erbaut.

Die Zwillings-Pagoden wurden in der fünften Dynastie erbaut (907-960) und sind anscheinend die einzigen buddhistischen Zwillingstürme in China, die aus Ziegeln gebaut wurden. Sie waren ein Teil des Tempels, der aber 1766 abbrannte. Heute sind sie das Wahrzeichen der Stadt und beliebt bei Künstlern.


Hier haben wir im Gespräch mit einer Shanghaiessin erfahren, dass die shanghainesischen Männer die besten Ehemänner der Welt sind. Noch heute! Allerdings haben diese nichts zu lachen. Sie schmeissen den Haushalt, kochen und kümmern sich um die Kinder. Die Damen genießen, treffen sich und heizen den Herren ein, wenn etwa nicht klappt….

Beeindruckt von dieser Aussagen ging es für uns zum Tempel, der noch von Mönchen betrieben wird, und die auch gerade bei Ihrer Gebetszeremonie waren, als wir kamen.


Etwas unmotiviert saßen sie am Tisch, manche hämmerten Klöppel gegen die Trommeln oder drehten an den Instrumenten. Ich habe mir dann hinterher den Tisch mal genauer angeschaut.

Auf unserer Entdeckungstour kamen wir in einen Turm. Die Treppe durften wir nicht hoch gehen – das hatten wir verstanden. Aber Richtung Keller standen keine Verbotsschilder. Und Neugierde wird belohnt!

Urnen? Gedenkfiguren? Ein Raum schließt sich an den nächsten…mit unzähligen kleiner Figuren hinter Glas.

Leider habe ich noch nicht genau herausgefunden, was dieses Figuren zu bedeuten haben. Meine Chinesisch-Lehrerin meint, dass Leute, die viel spenden, quasi einen Platz hier bekommen und ihren Nahmen drauf schreiben können. Aber es sind soooo viele Figuren und dann unterschiedliche Kästchen. Und bei den Recherchen habe ich noch nichts dazu gefunden. Nach den schon sehr beeindruckenden Räumen folgten wir einem choralen Gesang und kamen in Räume, die fast blendeten. Es hatte etwas sehr Mystisches:


Und immer wieder gab es andere Kästchen:



Auch das steht also auf der Liste der: „muss ich noch mal recherchieren“.
Klar war, dass man draußen Kois kaufen kann und sie wieder in den Teich setzt.



Schweren Herzens trennten wir und von dem Tempel und von der alten Stadt und tauchten ins Hier und Jetzt auf der anderen Straßenseite ein. Vorbei waren hier war Ruhe und Entspannung : Menschen, Mofas, hupen, laute Stimmen.




Es ist faszinierend und ich könnte mich Stunden in eine solcher Straßen setzten und nur Menschen beobachten:




Auf dem Weg zu einem Café mussten wir noch einmal an der Wasserstadt vorbei. Unten schipperten ein paar Boote vorbei – sah erst einmal nicht ungewöhnlich aus, dann sahen wir, dass die Männer mit einer Art Riesenzange etwas vom Boden hochholten. Was sie da machen, konnte mir bisher noch keiner sagen… also: wieder ein Fall für die weitere Recherche….

Entdecken macht hungrig und der Kaffeedurst war groß. Es gibt Cafes hier – man muss sie nur finden! Dafür wird man dann auch belohnt.

Allerdings hat mir die Waage am Ausgang zu Denken gegeben. Wir haben allerdings nur genossen und unsere nächsten Touren geplant!

Einfach toll und auch magisch! Ganz lieben Dank für ’s „Mitnehmen“.
Viele flusige Grüße
LikeLike