Es gibt Viertel, wie Laoximen, die wird es in einigen Monaten nicht mehr geben. Laoximen wurde vor fast 500 Jahren rund um das Westtor der ursprünglichen Stadtmauer von Shanghai gebaut. Es ist die letzte Verbindung zur vorkolonialen Zeit der Stadt und wird nun nach und nach abgerissen.

Dann werden vermutlich Hochhäuser hier stehen und die Leute etwas außerhalb in Wohnsilos leben. Zwar gibt es dort fließend Wasser, Strom und vermutlich auch Heizung, aber nicht mehr die gewohnte Struktur.
Wie man dazu steht, ist jedem überlassen – daher wird dieser Blog auch eher ein Fotoblog.
Als Unwissender läuft man im Süd-Westen Shanghais an der kleinen Straße, die links abgeht, eher gedankenlos vorbei und ahnt die Geschichte hinter den Gebäuden nicht.

Denn augenscheinlich sind die Türen und Fenster bereits zugemauert, die Häuser verlassen.

Doch etwas tiefer ist noch Leben: Nudel-Läden, Supermärkte, Fleischer, Friseure, Dumplingstationen sind dicht beieinander.



Der Platz ist begrenzt – in den Geschäften, aber auch in den Wohnungen. Wer kann, weicht nach Draußen aus.



Strom, fließend Wasser oder gar Heizung haben die wenigsten. Es gibt Einrichtungen, in denen man duschen und die Eimer mit den Bedürfnissen bringen kann, gewaschen wird ebenso zentral.


Und mancher erlaubt auch einen Blick durch die Türspalte.



Eine Angewohnheit, die ich mit „den Chinesen“ teile, ist das Schlafanzugtragen. Ich liebe es, den gesamten Tag einfach nur im Schlafanzug zu bleiben. Warum? Es ist einfach gemütlich. Und so sehen es die Leute hier anscheinend auch. (Die beiden linken Bilder habe ich von Nicole „geklaut“)



Bequemlichkeit und Geltungsbewußtsein sollen die Hauptgründe fürs Schlafanzugtragen in der Öffentlicheit sein – ein Zeichen, es sich erlauben zu können, mit dem Pyjama direkt zum Einkaufen zu gehen.
An einem unserer ersten Tage war mir irgendwo schon mal ein kleines Feuerwehrauto aufgefallen. Es sah etwas aus, wie ein Kinderspielzeug oder eine Attrappe. Bei unserm Gang durch die alte Stadt habe ich gelernt: es war ein echtes Feuerwehrauto!

Da die Straßen so eng und verwinkelt sind, kommt ein großes Auto gar nicht zur Brandstelle. Da machen die kleinen Flitzer viel mehr Sinn!
Zum Schluss waren wir noch bei der „verborgenen Bücherei“, in dem wohl ältesten Haus Shanghais. Wir würden es Ruine heute nennen, aber die letzte Bewohnerin zeigt Ihr Anwesen mit Stolz.




Die alte Dame hofft noch, die Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Türen und andere Schnitzereien werden in der zugigen „Halle“ gelagert. 2010 hatte die Regierung das Gebäude noch mal als „Openair-Museum“ genutzt, um den Besuchern zu zeigen, wie es hier ausgesehen hat. Seit dem hat sich aber schon wieder eine Menge Staub auf die Gegenstände gelegt. Inmitten wohnt die alte Dame ohne Wasser, Heizung und Strom. 1763 wurde hier von einem Gelehrten die Bibliothek aufgebaut, mit den Jahren aber nach und nach verkauft und heute ist nichts mehr davon zu sehen.
