Chinas 100-Tage-Haustiere

Es ist eine uralte Tradition in China, Grillen als Haustiere zu halten. Man kann drüber diskutieren, sollte sich dann aber die Masthaltung von Schweinen, das Schreddern von Küken, Kanarienvögel und Hamster oder Kaninchen in Käfigen etc. in Europa kurz vor Augen halten.

Seit Hunderten von Jahren halten sich viele Chinesen Grillen als Haustiere. Die meisten finden das Geräusch einfach schön. Schon wenn man den ersten Fuß in den Markt setzt, kommt man sich vor wie in der Provence im Hochsommer. Klickt hier und ihr bekommt einen Einblick.

Von zwei Euro bis 30 Euro kosten die Tiere, die bis zu 10 cm groß werden können.

Viele der Besucher – meist Männer – haben als Kind ihre erste Grille bekommen. Der Gesang erinnert sie an die Zeit und halten an der Tradition fest. Einige nehmen mit den Tieren an Kämpfen teil. Mit kleinen Spezialpinseln werden die Tiere gereizt, dann aufeinander gelassen. 

Die Grillen sterben bei den Kämpfen nicht, Beinbrüche scheinen allerdings an der Tagesordnung zu sein. Doch wer seine Grillen liebt, pflegt auch noch die Invaliden. Älter als drei Monate werden die Mini-Gladiatoren allerdings eh nicht.

Diesen Markt, den wir besucht haben, gibt es leider bald nicht mehr. Er wird nun nach 23 Jahren geschlossen. Viele der Verkäufer gegen dann in Rente, wie Qu Guoqiang. Der 61jährige schnitzt seit seinem siebten Lebensjahr – meist kleine Teile für Vogel- oder Grillenkäfige. Er weiß, dass sein Handwerk von Maschinen übernommen wird und damit bald ausstirbt. 

Viele der Besucher versuchen, noch schnell Schnäppchen zu machen. Vögel dürfen momentan nicht mehr auf diesem Markt verkauft werden, lediglich Pflanzen, Insekten, Fische und Zubehör. 

Die meisten, die sich hier ihre Grillen kaufen, finden auch Accessoires für die Ställe. Oft leben die Insekten eher luxuriös und geräumig. Manche haben sogar kleine Höhlen, in die sie sich zurückziehen können und Keramikschälchen für Wasser und Futter. 

Nach dieser Reise in die Vergangenheit radelten wir gut geschützt durch den dichten Verkehr und Regen wieder in die Gegenwart.

Momentan sind Cafés, Bars und Galerien „in“, wenn sie versteckt sind und durch Mund-zu Mundpropaganda laufen – wie dieses schnuckelige Café.

„A room“ in der Former French Concession

Um dieses Café zu finden, muss man allerdings schon ein bisschen Shanghai erkundet haben. Von den Straßen gehen hier oft Stichstraßen ab, die zu kleinen Compounds führen. So auch hier. Erst muss man durch die Schranke, dann den Weg entlang und irgendwann rechts abbiegen, durch ein Tor gehen – das auch zu einem X-beliebigen Gärtchen führen könnte – und in das Wohnzimmer eintreten. Dort wird man – allerdings erst nach 12:30 Uhr – vom Betreiber freundlich empfangen. Es gibt ausschließlich schwarzen Kaffee – nur für Kenner und Puristen. Milch und Zucker sind verpönt. 

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