Ein Jahr China und der größte Marienwallfahrtsort

Vor einem Jahr haben wir unsere Zelte in Shanghai aufgebaut. Was vor 12 Monaten fremd und seltsam schien, ist heute ein Bestandteil unsren Alltages. So das „Café du Village“, in dem wir unser erstes Frühstück hatten (klick hier, wenn Du in die Vergangenheit möchtest), dass seinem Namen alle Ehre macht und sich sich zum „Dorf-Treff“ entpuppt. Die Sprache klingt langsam aber sicher etwas vertrauter (nach einer Corona bedingten Pause beginne ich im September wieder den Unterricht). Und der „komische“ kleine Supermarkt „Jeffrey“ liefert heute regelmäßig unsere Lebensmittel. Ich denke mit Schrecken schon an die Zeit, in der ich wieder in Deutschland „ganz normal“ einkaufen muss, nicht per Knopfdruck bestellen kann und binnen einer Stunde (bei Anfrage auch schneller) die Sachen vor der Tür stehen habe – Montag bis Sonntag. Bevor jemand nun anfängt mit: „neumodischer Kram“, „ich will lieber den Verkäufer oder die Ware sehen“… Stopp: kann man auch haben – einfach auf den kleinen Drachen schwingen und in den Laden fahren. Entweder das Gekaufte mitnehmen oder es sich nach Hause liefern lassen. Für jeden etwas dabei!

Die French Concession ist unser „Wohnzimmer“ geworden mit genialen Restaurants aller Couleur – und es ist klar, dass wir es NIE schaffen werden, alle auszuprobieren, so viele sind es.

Schon spannend zu sehen, wie schnell man sich an schönen Orten wohl fühlt.

Die direkte Umgebung habe ich – glaube ich – schon ganz gut entdeckt. Nun kommt der größere Kreis dran. Vor ein paar Tagen war es Sheshan – 20 km westlich von uns.

Heute ist die Sheshan-Basilika der größte Marienwallfahrtsort des Landes. 1866 wurde auf dem Hügel die erste Kirche von Jesuiten gebaut. An der Spitze des Hügels, wurde ein Pavillon mit einer Madonnenstatue errichtet.

1870 führten Unruhen zu Bränden von Kirchen. Die Jesuiten beteten an der Statue der Madonna und versprachen, als Schutz für sie eine Kirche zu ihrer Ehre zu errichten. Diese erste Kirche integrierte Merkmale der chinesischen und westlichen Architektur. Eine Veranda wurde vor der Tür mit zehn Säulen angelegt. Acht Steinlöwen wurden vor die Kirche gestellt. Später kamen noch eine Kapelle auf halber Höhe des Hügels, ein Schrein sowie ein Kreuzweg dazu.

1925 wurde sie abgerissen und wieder aufgebaut – das dauerte allerdings 10 Jahre. Während der Kulturrevolution wurde die Basilika schwer beschädigt. Die Glasfenster der Kirche, Schnitzereien, die Statue auf dem Glockenturm und verschiedene andere Werke der wurden zerstört. Der Bischof von Schanghai wurde für mehr als 30 Jahre inhaftiert.

In der Kirche selber war ich nicht, da diese aufgrund von Corona noch geschlossen sind. Der Blick vom Hügel soll gigantisch sein. Aber auch das steht noch auf meiner Liste, denn als ich dort war braute sich langsam aber sicher ein heftiges Gewitter zusammen und ich wollte in diesem Moment nicht auf der höchsten Erhebung Shanghais stehen.

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