
In China gehen die Uhren anders – und zwar schneller! Das bestätigt hier jeder!
Bald sind wir zwei Jahre hier und zwei weitere werden folgen. Obwohl schon seit langem Routine eingetreten ist, sind viele alltägliche Dinge neu, komisch, ungewohnt. An manches hat man sich „einfach gewöhnt“, anderes ist noch ungewohnt. Angefangen bei der Situation, dass man sehr wohl durch einen Tag navigieren kann, ohne die Landessprache zu sprechen. Das ist erstaunlicherweise aber auch sehr kräftezehrend (allerdings das Lernen auch).
中文是一門難學的語言
Chinesisch ist eine schwere Sprache
Manchmal wäre es schön, durch die Straßen zu gehen und lesen zu können, was auf den Schildern steht, oder einfach den Leuten in der U-Bahn zuzuhören und Dinge zu erfragen. Aber ich gebe nicht auf und lerne weiter (Um eine Zeitung lesen zu können, benötigt man ungefähr 3000 Zeichen…. ).

Was vor ein paar Monaten noch „komisch“ aussah, ist mittlerweile vertraut. Wenn man in eine andere Stadt kommt, sieht es nicht mehr „einfach nur anders“ aus. Ich weiß immer besser, wie ich gezielt von A nach B mit der U-Bahn oder dem Fahrrad komme und das erleichtert den Alltag enorm. Bei einer 27 Millionen Metropole ist das nicht immer ganz gegeben. Wenn ich bisher an eine Großstadt gedacht hatte, dann war ich bei 5 Millionen angekommen (diese gelten hier als Kleinstädte). Holland hat rund 17 Millionen Einwohner.
Vertraut ist einem auch die Sicherheit mittlerweile. Ich sage nicht, dass es keine Kriminalität hier gibt, aber weniger. Man muss nicht krampfhaft seine Handtasche im Gedränge festhalten und ständig drauf achten, dass nichts geklaut wird. Als Frau kann man unbeschwert auch abends mit der U-Bahn fahren. Als ich letztens unseren Scooter von der Reparatur abholte, sagte mit der Ladenbesitzer: der Scooter steht vor der Tür, Schlüssel steckt. Nur wusste er nicht, an welchem Tag ich ihn abhole. Also stand der Scooter – mit vielen anderen- abfahrbereit vor dem Laden, der Schlüssel steckte.
Auch gewöhnt man sich an die Skurrilitäten des Alltags. Mittlerweile weiss ich, dass sich nicht alle Chinesen, die sich vermeintlich anschreien, böse aufeinander sind. Aus welchen Gründen auch immer redet „der Chinese“ lauter. Ich habe es ja schon mal geschrieben: Chinesen und Italiener sind sich sehr ähnlich (auch von Italienern bestätigt). Sie lieben es lebhaft, sind temperamentvoll, lieben Späße, lachen, die Familie ist wichtig, ebenso das Essen.

Shanghai hat weltweit die meisten Cafés! Laut mehrerer Berichte gibt es in Shanghai fast 7.000 Coffee Shops. Tokyo hat demnach 3826, London 3233, New York 1591. Nicht alle sind groß und manche halten sich auch nicht lange. Aber für viele Barista (jemand, der für die professionelle Kaffeezubereitung zuständig ist) ist es der Lebenstraum oder die Berufung, Wie für ein japanisch/ chinesisches Ehepaar, das seit 7 Jahren mittlerweile ihr „Hidden Café“ betreibt und ihren eigenen Kaffee röstet, der sogar an andere Cafés und über Taobao (quasi das chinesische Pendant zu Amazon) verkauft wird (mehr dazu gibt es in unserem Buch, das im November erscheint 😉 ) !

Versteckte, nicht offensichtliche Dinge, die durch Mundpropaganda ihre Kunden bekommen, sind hier der Hit. Viele der Cafés findet man nicht einmal durch Zufall, denn sie sind in den kleinen Wohnstraßen hinter normalen Türen „versteckt“ – oder hättet Ihr das oben genannte Café hier vermutet?

Und auch beim Kaninchen-Streichel-Café muss man wissen, wo es ist. Hier gibt es eine Kiste Grünzeug, um die Langohren zu füttern, ein Getränk und Deko für Mensch und Tier für 95 RMB (12 Euro) die Stunde.

Katzen-Cafés sind schon fast nichts besonders mehr – in einer Mall soll es auch ein Ferkel-Streichel-Café geben. Das muss ich bald mal suchen.
Apropos suchen…. auf den Foto-Touren für unser Buch habe ich immer wieder neue Sachen entdeckt und bin an seltsamen Dingen vorbei gekommen, interessant, verrückt und manchmal einfach nur zum Schmunzeln. Wie dieses Schild: „Mind your head“ (Achtung Stoßgefahr),

diesen Abstellplatz für Leihfahrräder

oder diesen extravaganten Musiker, der die Schiffer-Ballade „La Paloma – ohe!“ auf seinem Saxophon spielte.

Zum Alltag gehören auch schon die ganzen Ecken und Plätze, an denen sich die Leute Nachmittags und am frühen Abend treffen und gemeinsam tanzen – egal wie das Wetter ist. Entweder ist es der Paartanz oder Gruppen üben eine Choreographie ein.

Einkaufen im Supermarkt gehe ich sehr selten, denn das meiste kann man sich liefern lassen. Lebensmittel, Putzzeug, Gemüse, Obst, Sessel, Tapeten…. Was das Herz begehrt. Und da viele in Shanghai so kleine Wohnungen haben, dass sie sich oft auch eine Küche teilen, verzichten viele aufs Kochen und bestellen das tägliche Essen beim Restaurant um die Ecke: ein paar Dumpings für 15 RMB (1,90 Euro) oder eine Art Crêps für 7 RMB, geliefert wird allerdings oft nur bis ans Tor.

Wenn man dann genug vom Treiben in der Stadt hat, kann man ans Meer fahren (wobei das etwas 90 Minuten von uns entfernt und sehr limitiert ist) und die zahlreichen Brautpaare beobachten, die sich für den Tag der Tage rüsten:

Oder in die Natur, wo noch ein bisschen „echtes China“ auf den Reisfeldern zu sehen ist… 30 Minuten von uns entfernt!

Shanghai, eine Stadt der Gegensätze und Superlative (angeblich hat die Stadt auch das größte U-Bahn-Netz), die mich immer wieder in ihren Bann zieht.

Das war ja mal wieder schön mit dir auf Tour zugehen. Aber noch ZWEI weitere Jahre ohne Dich in der Nachbarschaft…nööö…das ist nicht schön..
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halte durch 🙂
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Hallo Alex, sehr interessant geschrieben. Da macht das lesen Spaß. Grüße.
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