Kann man Gemütlichkeit übersetzen? Muss man bei der Kehrwoche mitmachen?
Fragen, die uns seit ein paar Tagen beschäftigen – denn wir sind in Deutschland. Wir haben uns entschieden, den Sommer über in Europa Ferien zu machen. Das hatten wir ursprünglich eh vor gehabt, dann aber wieder verworfen, weil wir uns vor den zwei Wochen Quarantäne scheuten. Nach knapp 12 Wochen Lockdown sehen wir das nun etwas anders – wohl wissend, dass die Quarantäne im „Hotel“ etwas anderes sein wird, als Lockdown im eigenen Haus. Ich werde bei Zeiten berichten.

Um China verlassen zu können, benötigt man – neben dem Flugticket und einem gültigen Visum für China (um wieder rein zu kommen), die Erlaubnis des Nachbarschafts-Komitees. Ohne dieses kann man erst gar nicht den Compound verlassen. Allerdings braucht man auch die Erlaubnis, dass man – sollte der Flieger aus welchen Gründen auch immer nicht starten – wieder zurück ins Haus darf. Darüber hinaus muss man einen PCR Test maximal 48 Stunden vor Abflug und einen Selbsttest am Abflugtag vorweisen. Diese Unterlagen in der Tasche und mit gepackten Koffern ging es mit einem Auto, das die Berechtigung hat, auch über die jeweiligen Inner-Stadt-Grenzen zu fahren (die jeweiligen Bezirke sind eingezäunt und abgegrenzt – natürlich auch auf der Autobahn), zum Flughafen. Seit drei Monaten das erste Mal im Auto – ganz schön spannend.

Für das Zehnfache an Gebühr und dafür aber in unter einer Stunde (zu normalen Zeiten hätte die Fahrt etwas zwei Stunden gedauert) kamen wir am leeren Flughafen an. Drei Flüge waren das Tagespensum des Flughafens Pudong.

Geduld war dennoch angesagt. Etwa eineinhalb Stunden mussten wir vor dem Checkin warten, dann weitere 45 Minuten vor der Passkontrolle. Aber um kurz vor Mitternacht waren wir an Bord des Flugzeuges und hoben ohne Pannen ab. Knapp 14 Stunden später (die Flugzeuge dürfen momentan nicht über der Ukraine fliegen) waren wir in Frankfurt. Müde aber glücklich ging es weiter an den Bodensee, wo wir erst einmal unsere „Zelte“ aufschlagen. In Weingarten sollten wir direkt unseren Impf-Booster bekommen. Leider hatten sie nur noch Moderna – dieser Impfstoff ist nicht für Minderjährige zugelassen. So blieb uns nichts anderes übrig, als ein Eis zu schlecken und uns die größte Barocke Basilika Deutschlands anzuschauen. Sie ist halb so gros wie der Petersdom in Rom. Die imposante Orgel soll 6.666 Pfeifen und ein Repertoire von Instrumententönen, Vogelgesang und der legendären Menschenstimme „Vox Humana“ haben.


Ansonsten ist Weingarten ein typisches Dörfchen in der Bodensee-Region: beschaulich, pittoresk mit einem Hauch an Staub und Langeweile. Ein Gartenhäuschen auf der Terrasse und Kaffee und Kuchen auf dem Balkon!


Es ist recht spannend, Deutschland nach gut zwei Jahren mal wieder zu entdecken. Etwas ungewohnt sind die Graffiti auf den Wänden.

Aber ansonsten ist es hier postkarten-schön am Bodensee. Ich werde Euch die kommenden Wochen ein wenig in die Idylle entführen: Hopfenfelder, Apfel-Plantagen, Wiesen und Wälder. Ein irrer Mix an Grün!

Schon nach ein paar Tagen kommt einem das, was in Shanghai abgeht, noch unwirklicher vor, als vor Ort. Freunde berichten von ein paar Stunden Leben auf der leeren Straße, manchmal sieht man Bilder aus der Innenstadt mit ein paar Menschen und liest in offiziellen Berichten „Shanghai öffnet sich bald“ .


Ein Kontrast ohne gleichen zu einem Land ohne Masken. Corona scheint in Deutschland abgeschafft zu sein. Menschen sitzen in vollen Restaurants, laufen ohne Abstand im Supermarkt aneinander vorbei und genießen die Sonne auf der Wiese.

Hier scheint noch die Welt in Ordnung. Die Dame gegenüber sitzt – wie all die letzten Jahre – vor ihrem Haus und unterhält sich mit den vorbeigehenden Nachbarn.

Und die Touristen fotografieren die Dorfstraße mit dem Mai-Baum, der alle Zünfte präsentiert.




Liebe Frau Klein,
als regelmäßiger Leser Ihres hochinteressanten Shanghai-Blog freue ich mich dennoch (bezogen auf Ihre nun fehlenden „China“-Erlebnisse), dass Sie wieder in Deutschland sind und damit wieder die stark vermisste Freiheit genießen können.
Ich hatte Holger zufällig am Tag seiner Rückkehr nach Deutschland bei einem Italiener in Duisburg getroffen und schon die ersten kaum glaublichen Infos erhalten.
Wünsche Ihnen eine gute entspannende Zeit am Bodensee und werde Ihren Blog auch darüber mit Interesse verfolgen.
Mit liebem Gruß
Ihr Henner Kipphardt
LikeLike
Lieber Herr Kipphardt,
es freut mich sehr, Sie als Leser des Blogs zu haben! Es macht noch mehr Spaß, ihn dann zu schreiben! Ich vermisse Shanghai in der Tat auch ein bisschen- eigentlich sehr. Denn es ist ein Stück Heimat! Nur unter diesen Umständen hat es echt keinen Spaß mehr gemacht. Und wir kehren ja auch zurück. Ich werde im Blog auch durch die Berichte von Freunden Sie ein wenig mit China in Kontakt halten! Holger hatte mir erzählt, dass er Sie getroffen hatte- kleine Welt!
Einen schönen Start in die Woche wünscht Alexandra Steffens-Klein
LikeLike
Auf die Ratschläge komme ich sehr gerne zurück! Lockenwickler ist so ein Thema… ich war gerade ENDLICH mal beim Friseur 😁
LikeLike
Genau so bin ich in BaWü groß geworden…und in vielen Dörfern ist es tatsächlich pittoresk, beschaulich, angestaubt aber auch gemütlich..mit dem Blick von heute. Des G’schwätz vom Balkon na oder aussem Fenschder isch quasi der Lebenselixier von den Menschen im Dorfkern. Zeitung? Brauchsch net…
Kehrwoche bitte unbedingt machen, sonst ist man schlampig. Das ganze aber bitte mit Lockenwicklern im Haar und Kittelschürze..
Gerne steh ich dir mit Ratschlägen zur Seite 🤣
Liebesgrüßle bis ganz bald
Die EX…(Nachbarin
LikeLike
Wie schön, dass die Freiheit Euch wieder hat, wie war das mit dem Berg und dem Propheten 😃 im Vergleich zu Shanghai scheint es Corona hier tatsächlich nicht mehr zu geben, obwohl es immer noch und wieder Freunde/Bekannte und Verwandte trifft . Aber ich denke wir sind tatsächlich auf dem Weg in eine endemische Lage….Mal sehen wie das im Herbst wird – ich hoffe das Beste für uns alle, vor allem für unsere Kinder!
Genießt die Freiheit und die Exotik des Bekannten 👍🤗 ich freue mich sehr mit Euch!
Fuselige Grüße, Kirsten
⬆️ Ich hoffe Ihr seid nicht mit der Kehrwoche an der Reihe 🙂
LikeLike
Für die Kids wird es eine Herausforderung, was wir ihnen hinterlassen. Die Welt müsste mal wieder aufgeblasen und rund werden. Sind ein bisschen zu viele Ungewissheiten und Verrücktheiten! Auf dass es für alle besser wird! Und in der Tat sollte ich mal schauen, wann ich dran bin mit der Kehrwoche 🥴
LikeLike