Ein Hauch von Chlor und ein Guckloch

Das werden wohl – neben den Mahlzeiten und den PCR-Tests -meine „Kontakte“ zur direkten Aussenwelt für die kommenden Tage sein.

Wir sind seit gestern Abend wieder in Shanghai – allerdings noch nicht daheim – denn wir müssen voraussichtlich erst einmal 10 Tage Quarantäne absolvieren. Das heißt: jeder bekommt ein Einzelzimmer und darf dieses während der Quarantänezeit nicht verlassen. Allerdings können wir uns nicht beschweren. Die Zimmer sind sauber und gut.

Die Anreise war jedoch etwas langwierig und leicht angespannt. Denn durch die Covid-Situation kann es schon mal passieren, dass China internationale Flüge einfach mal so streicht, wenn zu viele Menschen mit Infektionen ins Land kommen. Dann werden Verbindungen aus den jeweiligen Nationen für einige Zeit ausgesetzt.

Wir hatten einen Flug für Montag in der Tasche…und eine Menge zu erledigen. Die PCR-Tests waren der Anfang. Zwei Tests in bestimmten Abständen, nicht älter als 48 Stunden und in 24 Stunden Abstand, aber nicht zu knapp vor dem Abflug und von unterschiedlichen Laboratorien getestet. Eine echte Herausforderung, denn in Deutschland schließt ein Zentrum nach dem anderen, und die Öffnungszeiten sind genau so wenig hilfreich wie die Terminbuchung-Optionen. Wir brauchten unseren ersten Test am Sonntagmorgen um 8:30 Uhr…

Mäulchen auf und ein sehr gefühlvoller Rachenabstrich wurde genommen – Ergebnis am kommenden Tag. Der Rest des Vormittags war mit Packen und Vorbereitungen ausgefüllt. Mittags ging es dann nach Frankfurt, unserem Abflugsort. Erstes Problem: man hatte mich beim Testergebnis als „männlich“ eingestuft. In China passiert es mir öfter, dass auf der Frauentoilette Menschen verunsichert sind, wenn sie mich sehen. Aber in Deutschland sei man in der Lage, bei Menschen mit erkennbar weiblichen Vornamen, auch trotz kurzerHaare, das Geschlecht richtig zu bestimmen – dachte ich. Nach ein paar Telefonaten war meine plötzliche Geschlechtsumwandlung zum Glück auch wieder rückgängig gemacht worden.

Montag, 8:30h, dann der zweite Test am Bahnhof in Frankfurt – hier gab es ein paar Probleme mit einem falsch eingetragenen Geburtsdatum…. aber wir waren ja schon glücklich, dass beide Tests negativ waren und die nächste Hürde auch damit geschafft. (Wie sich später zeigte, waren nicht alle, die mit uns fliegen wollten, in der glücklichen Lage. Einige hatten einen positiven Test, andere bekamen keinen grünen Code aus China. Warum? Die Gründe waren mannigfaltig ).

Nun hatten wir noch Zeit, durch Frankfurt zu schlendern, ein paar Mitbringesel zu kaufen, die Test-Ergebnise nach China zu schicken, erste Formulare online auszufüllen und auf die Einreiseerlaubnis aus China, sowie den Flug zu warten. An Bord war großes Hallo mit einigen Leuten, die wir aus Shanghai kannten.

In China angekommen, wurden wir an verschiedene Stationen im Flughafen geführt, mussten diverse Codes scannen und vorzeigen, weitere Formulare unterschreiben und ausfüllen. Ich bin an der ersten Station direkt „hängen“ geblieben, musste erneut Felder online ausfüllen, durfte dannn aber mit den anderen Passagieren zum Rachentest. Hier gab sich die Dame redlich Mühe, SEHR tief im Hals den Abstrich zu machen. Fünf Anläufe, einige Würgereize auf meiner Seite und die Dame war mit dem Ergebenis zufrieden.

Daß viele Menschen Abläufe nicht unbedingt effizienter machen, hat sich dann beim finalen Einchecken für den Bus auch wieder gezeigt – welcome back home. Um 14:30 Uhr lokaler Zeit waren wir gelandet, gegen 18 Uhr saßen wir im Bus, der uns zum Hotel brachte.

Vor dem Hotel warteten aber erst noch mal weitere Formulare und weiß gekleidete Menschen auf uns. Letztere besprühten die Koffer zwei Mal mit einem, intensiv nach Chlor riechenden, Desinfektionsmittel. Nur mit Mühe konnten wir sie davon abhalten, auch Computer- sowie Handtaschen damit zu desinfizieren.

Nach erneutem Temperatur- und Blutdruckmessen sowie dem Bezahlen des Hotelaufenthalts (unter normalen Umständen würde ich bei dem hohen Zimmerpreis davor zurückschrecken, dieses zu buchen) waren wir dann endlich um 21 Uhr auf unseren jeweiligen Zimmern. Zum Glück sind die diese besser, als die Flure ahnen lassen.

Vor jeder Tür steht ein Tischchen, auf dem man die vollen Mülltüten legen kann oder das Essen serviert bekommt. Anscheinend werden die Gänge mehrmals pro Tag mit den gleichen Chemikalien desinfiziert wie die Koffer (obwohl keiner der Besucher sich auf den Fluren aufhält, da es verboten ist, sein Zimmer zu verlassen). Auf jeden Fall wabbert der Geruch von Chlor regelmäßig durch die Türritze).

Da hilft der Blumenstrauss, den die Regierung als Willkommengruß schickt (mit ein paar Früchten), schon enorm.

  1. Liebe Alex, alles Gute für Eure Ankunft in Shanghai nach den vielen Strapazen. Ich finde es toll, wie anschaulich und spannend Du die Situation und die Beschwerlichkeiten beschreibst und dabei kein bisschen Unmut entdecken lässt. Das ist hier in Deutschland ganz anders, und manch einer scheint wirklich zu glauben, Corona sei verschwunden. Das haben wir vor zwei Wochen bei den Passionsspielen in Oberammergau wieder feststellen können. Fast niemand trug seine Maske während der fünfstündigen Aufführung. Und aus unserer Gruppe gab es im Anschluss eine größere Anzahl Infizierter.
    Ich hoffe, Du kannst Dir die 10 Tage allein im Hotelzimmer einigermaßen unterhaltsam gestalten.
    Danke für Deinen tollen Block. Den sollte viele lesen, er rückt die Realitäten in der Welt deutlich zurecht.
    Mach’s gut und Grüße an die Familie.
    Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth, wenn andere auch so viel Spaß an meinem Blog haben, dann macht es noch mehr Spaß, ihn zu schreiben. Vielen Dank für das liebe Feedback. In der Tat haben in Deutschland für unsren Geschmack zu viele entschieden, dass das Virus kein Problem mehr ist. Wie immer wäre der Mittelweg vermutlich die beste Lösung! Ich hoffe, Ihr bleibt gesund und ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Habe jetzt ja etwas Zeit, in Ruhe die Texte zu schreiben, Alles Liebe

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  2. Hallo Alex, als regelmäßiger Leser deines Blogs hat es mich schon ziemlich überrascht, dass ihr nun wieder in China seit. Warum? Liebe Grüße und all Uhr best, Klaus

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    1. Hallo Klaus! Schön, Dich bei meinen Lesern zu haben! Wir haben eine Europa-Pause eingelegt. Zurückgekommen sind wir, weil es momentan unser Zuhause ist, wir noch nicht „fertig“ mit der Stadt sind und unser Sohn noch seine Schule hier beenden will. Es gibt also noch einige Folgen auf diesem Kanal 😉 Alles Liebe

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  3. Auch wenn ich das Ende der Reise schon kannte, habe ich richtig mitgefiebert. Jetzt kann sich die Anspannung erstmal lösen und Ruhe einkehren. (.. und Blog schreiben 😉
    Schließlich musst du nicht kochen 🤭
    Bin so gespannt was du zu erzählen hast..
    Feste Umärmelung

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    1. Liebe Martha! Wir bleiben frohen Mutes – heute ist Bergfest – vermutlich kommen wir am kommenden Dienstagabend nach Hause. Müssen dann noch 3 Tage daheim bleiben und dann geht es ins normale Leben zurück!

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