Das Jahr des Hasen hat begonnen und der Mümmelmann hat es bei weitem nicht leicht. Das, was Maus, Stier und Tiger verbockt haben, muss Meister Lampe jetzt richten: Covid, Wirtschaft, Weltfrieden….
Auf jeden Fall wurde der Hase gebührend und mit viel Tamtam und Krawum empfangen. 15 Tage dauert das Chineses New Year und beinhaltet viele Traditionen: nicht putzen, sonst wischt man das Glück weg, die Farbe Rot bringt Glück (und wenn die roten Umschläge auch noch mit viel Geld gefüllt sind, dann bringt es noch mehr Glück). Süßes Essen und Fisch, das Öffnen von Fenstern und Türen sowie ein Bad in Pampelmusenblättern in der Nacht vor dem neuen Jahr stehen ebenso für Glück in neuem Jahr. Haare schneiden ist nicht so angesagt.
Abgeschlossen wird das Neujahrsfest mit dem Laternenfest am 15. Tag – und das habe ich in diesem Jahr auf einen ganz besonderen Art und Weise erlebt! Klicke HIER , um mit mir zu zelebrieren.
Vielleicht ist das chinesische Neujahr in unseren Augen etwas kitschig, ungewohnt. Aber, genau wie Weihnachten, bringt es Farbe in die graue, kalte Jahreszeit.





Und die Leute haben Spaß. Man trifft sich mit der Familie, hat Zeit, isst gemeinsam und macht Ausflüge. In den Parks werden Fotos gemacht, Zuckerzeug gegessen und Kinder freuen sich, dass die Großeltern den lang ersehnten Wunsch erfüllen, ein Portrait kneten zu lassen.







Man hat fast vergessen, dass es den wohl härtesten Lockdown der Welt in China gab, die Coronawelle über das Land schwappt und irgendwie alles etwas anders geworden ist – aber an Chinese New Year ist die Welt ein kleines bisschen wieder normal – zumindest für die, die nicht im Krankenhaus liegen und um ein Bett, einen Arzt oder ein Sauerstoffgerät kämpfen müssen.



Auch im internationalen Flughafen von Shanghai Pudong ist noch nicht die Normalität eingetreten. Zumindest Mitte Januar nicht, als ich nach Deutschland flog. Es war schon ein komisches Gefühl, nach knapp drei Jahren wieder in die „Freiheit“ entlassen zu werden, wohl wissend, dass ich – wenn ich wieder nach Shanghai zurück komme – etwas total Verrücktes machen werde: ohne Quarantäne, direkt vom Flughafen nach Hause fahren.



Eh ich mich versah war ich wieder im Alltag. Abends dröhnten noch immer die Feuerwerkskörper. Wer sich in Deutschland über eine halbe Stunde Spektakel am Himmel beschwert, der kommt hier auf seine Kosten. Die gesamten 15 Tage zucken Lichter am Himmel und es donnert vor sich hin. Gut, dass unser Hund schuss-sicher ist.



Naja, und dann hatte ich eben meinen Spaß am Laternenfestival! Wir haben uns erst im 18. Stockwerk eines Hauses in der Innenstadt getroffen, wo wir eingekleidet und geschminkt wurden – mit zahlreichen anderen Ladies. Es gehört zum guten Ton, dass man sich traditionelle Kostüme anzieht und das mit einer Fotostory dokumentiert. Das Team arbeitet in diesen Tagen rund um die Uhr. Beraten, frisieren, schminken, fotografieren und dann werden die Kostüme über Nacht gewaschen und wieder für den kommenden Tag vorbereitet.





Für uns ging es auf einen Jahrmarkt mit Karussell, Riesenrad und vielen Fress-Ständen: gebratener Octupus, warme Soja-Milch und Karamell-Äpfel. An einem Stand, der seit 1979 auf dem Jahrmarkt ist, dreht man einen Zeiger und je nachdem wo dieser stehen bleibt, gießt der Betreiber das passende Tierchen – ein Handwerk, dass auf solchen Märkten zur guten alten Tradition gehört. Auch das Blasen eines Tierchens (etwas wie Glasbläserei – nur mit Zucker) wurde schon von mehreren Generationen gemacht – mein Schweinchen wäre beinahe explodiert.





Nun hat also auch das chinesische neue Jahr begonnen, der Alltag geht weiter, die Lage normalisiert sich, die Grenzen öffnen sich langsam, das Leben nimmt seinen Lauf. Allerdings auch die Abrissbirnen. Auf einer meiner Touren waren wieder Glanz und Trübsal dicht beieinander. In dem ehemaligen Gebäude der HSBC-Bank sind noch Zeugen der vergangenen Zeit zu sehen. Heute ist es die SPD-Bank (Shanghai Pudong Development Bank) , was ich nachhaltig lustig finde, da ich bei dem Namen an die Partei denken muss. Hier stehen vier der sechs weltweit einzigen Marmorsäulen, die in einem Stück sind (1 Meter Durchmesser und 7 Meter hoch). Die beiden anderen verbleibenden stehen im Louvre in Paris.



Fährt man weiter in einige meiner Lieblingsviertel sieht man leider, dass die Modernisierung auch hier weiter fortschreitet und immer mehr Viertel für den Abriss vorbereitet werden. Shanghai verliert meines Erachtens seine Seele. Die Stadt lebte von den Gegensätzen und dem internationalen Flair.




Das spiegelt sich nun im Netz wieder. Ich könnte Stunden im WeChat bzw. Weibo (eine Mischung aus Instagram und Facebook) verbringen. Hier preisen Leute ihre Produkte an – kleine Landwirte bringen so ihr Obst und Gemüse aus den entlegenen Orten in die großen Städte, es werden Witze erzählt, Schminktips oder Rezepte ausgetauscht oder man stellt sich einfach zur Schau. Was mich am meisten erstaunt ist die Freizügigkeit und offensichtliche Unbekümmertheit, mit der sich die Menschen präsentieren, vor der Kamera ihre Nudeln schlürfen oder sich verwandeln.









Leider verstehe ich nach wie vor nicht, was sie erzählen und wünsche mir, ich könnte Chinesisch. Aber irgendwie versteht man doch, was sie ausdrücken wollen und ich wundere mich über die Vielfalt des Landes, von dem wir im Westen so wenig wissen.

Liebe Alex,
da kommt viel Lebens- und Genussfreude auf bei der Neujahrsfeier. Welche Vielfalt. Aber auch sehr viel Wehmut, wenn man liest, dass das alte Shanghai Nichtsnutz langsam, dafür aber sicher, verschwindet. Ihr habt beides kennengelernt.
Wir freuen uns,Euch bald wiederzusehen. Bleibt gesund und erfahrt noch viel von diesem faszinierenden Land China.
Herzliche Grüße Elisabeth
LikeLike
Liebe Elisabeth! Wir werden die kommenden Monate noch genießen und freuen uns dann auf Euch und darauf, das neue „Alte“ wieder zu entdecken 😉 Helau und Alaaf
LikeLike
Dieses Fest wäre ja genau meines.💃🏿
Nicht putzen, schnabulieren, diese Farben und endlich der Lebensfreude freien Lauf lassen.
Viele Farbenfrohe Fotos. Herrlich.
Wie immer gibt’s leider immer zwei Seiten. Eine davon ist die nicht so schöne.
Es freut mich sehr dass du das alles nochmal mitnehmen konntest.
Ich wünsche dir und mir dass es noch ganz viele tolle Fotos gibt eh du hier auf Entdeckungsreise gehst.
Liebesgrüßle und bis demnächst
Die EX (Nachbarin )
LikeLike
Die wird es geben – denn Gelegenheiten sind ja da- im März gehe ich sogar auf Reise in China — hoffe, dass da der Photohunger gestillt wird – fürs erste 🙂
Ich zähle auf die Umzugsverpflegung, wenn ich wieder komme 🙂
LikeLike
…Von Fotohunger auf Umzugsverpflegung😂👍..
Ich werde mein bestes geben❣
LikeLike
Das macht die Sache einfacher !
LikeLike