Das Huhn auf der Waage

Es wird Frühling im fernen Osten. Die Temperaturen bewegen sich von 4 Grad nachts bis zu 25 Grad am Tag … Sonne, Regen, Wolken, alles ist momentan drin.

Die Pflaumen- und Kirschbäume blühen und locken die Menschen in die Parks. Ein Grund, an einem schönen Tag nach Wuxi zu brausen. Es ist eine 7 Millionen Stadt, 130 km von Shanghai und mit dem Zug in 40 Minuten zu erreichen (eine Fahrt kostet 8 Euro). Wuxi ist unter anderem für seine Pflaumenblüte bekannt. Der Park war voll mit sonnen-und frühlingshungrigen Menschen.

Schon die Reise war es wert. Ich liebe die öffentlichen Toiletten in der Bahnstation – schon am Eingang kann man sehen, welche Kabine noch frei ist (drinnen helfen dann die Licher, die richtige Toilette zu finden) und sich dann per QR-Code das benötigte Toilettenpapier ziehen.

Inn Wuxi drehten sich viele nach uns um. Man merkt dann doch, dass es eine kleinere Stadt ist, in der nicht so viele Ausländer sind und durch sowie nach Corona schon gar nicht. Die meisten lächelten freundliche, manchen zeigten uns mit „thumbs up“ (Daumen hoch), was sie von den Laoweis (den Ausländern) halten, allerdings standen in der Bahn auch ein paar Menschen immer wieder auf und wechselten ihren Platz, um nicht neben uns sitzen zu müssen.

Nach einem Bummel durch die Natur, der Altstadt und einem ordentlichen Stop in einem Tee-Haus (einige wollten mit uns gemeinsam Fotos machen) ging es weiter zum Tempel.

Wir hatten keine Vorstellung von Wuxi (ich war vor zwei Jahre im Sommer dort, um den riesigen Buddha zu sehen – HIER klicken). Damals hatten wir es nicht mehr in die Stadt geschafft. Dafür ging es heute noch zum Tempel, der leider schon geschlossen, die Fressgassen mit den Spielenden und Wahrsagern drumherum dafür aber schon gut besucht waren.

Ich will auf jeden Fall noch mal hier hinkommen. Denn schließlich bin ich von unserem Haus fast genau so schell in Wuxi wie in der Shanghaier Innenstadt. Und es loht sich auf jeden Fall. Besonders schön stelle ich mir die Fußgängerzone im Sommer vor, wenn man auf den Terrassen der zahlreichen Restaurants und Musikbars sitzt und das Treiben genießt (schon jetzt sassen junge Menschen singend auf der Strasse und filmten sich dabei für ihre sozialen Kanäle). Es ist eine junge, quirlige Stadt.

Vor ein paar Tagen hat es mich dann in den östlichen Teil Shanghai’s verschlagen. Eine Ecke, die noch nicht so erkundet wurde von mir. Mit der Foto-Gruppe, die ich leite, wollten wir einen Kirche und die Umgebung erkunden. Wir hatten Glück und stießen auf eine „Nonne“ (wie sie sich nannte- eine Dame, die Religion studiert hat und sich mit dem Pastor um die Kirche kümmert – bis zu 1000 Mitglieder kommen wöchentlich hier hin), die uns eine kleine Tour durch die Kirche gab. Katholisch hat für die chinesischen Gläubigen Hürden (auch die deutsche Glaubensgemeinde kann den Gottesdienst nicht in einer Kirche abhalten, sondern macht es im Party-Keller eines Restaurants).

Diese Kirche wurde in der Qing-Dynastie (1872) erbaut, 1926 wurde sie in Betrieb genommen, während der Kulturrevolution diente sie als Lager für Medikamente und seit Ende der 1980 Jahre hat die Gemeinde sie wieder übernommen.

Direkt im Anschluss an die Kirche gibt es eine Markt-Straße, in der man – wie gewohnt – alles bekommt. Hier werden die Hühner überwiegend lebend und am Stück abgewogen. Frösche, Fische, Schildkröten tummeln sich in den Bottichen, alte Menschen plaudern und Kinder kaufen um sie herum. Nudeln hängen zum Trocknen und die weißen Erdbeeren (schmecken genau so wie die roten) sehen verlockend aus. Wer genau hin schaut sieht, dass der Besitzer im Gemischtwarenladen sein Bett dort auch hat (da er dort auch wohnt) und in diesem auch auf Kundschaft wartet.

Nach dem Essen in einem typisch maoistischen Restaurant (in diesen Kantinen bekam die Landbevölkerung zu essen – heute ist das ehemals staatliche Restaurant privatisiert und ein Touristentreffpunkt)

Ich war mit ein paar chinesischen Bekannten unterwegs und das eröffnet einem noch mal so viel mehr Einblick. So bekamen wir im benachbarten Tea-House neben einem Getränk auch ein Privatkonzert vom Meister persönlich und eine Tour durch das Nachbarhaus. Dies entpuppte sich als die Zentrale der Demokratischen Partei in Shanghai Pudong und als eine Fundgrube der antiken Möbel mit angeschlossenen Hotelzimmern.

China, immer wieder für eine Überraschung gut und der Grund für ein Wechselbad der Gefühle.

  1. Der Frühling lässt sein blaues Band auch bei euch wieder durch die Lüfte flattern…..und überall freut es die Menschen.
    Es war wieder interessant mit dir durch diese Stadt zu bummeln.
    Das essen würde mir jedoch an mancher Stelle schwer fallen.
    Dieses bunte Treiben auf den Strassen schaut beeindruckend und fröhlich aus.

    Schicke dir ein Grüßle aus unserer Stadt…die auf den Frühling wartet

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